Skaltrixa
Pektorale & Grabschmuck

Die Pektorale Tutanchamuns: Meisterwerke der Goldschmiedekunst

Veröffentlicht am 14. Juni 2026 · von Bernhard Lang · 7 Min. Lesezeit

Goldenes Skarabäus-Pektoral aus dem Grabschatz Tutanchamuns, Neues Reich, 18. Dynastie

Als Howard Carter im November 1922 das nahezu unberührte Grab Tutanchamuns im Tal der Könige öffnete, fand er neben dem berühmten Sarkophag und der goldenen Totenmaske über hundert Schmuckstücke: Ringe, Armreifen, Halskragen und vor allem eine Reihe kunstvoller Pektorale. Diese brustplattenartigen Anhänger gehörten zu den technisch anspruchsvollsten Erzeugnissen der altägyptischen Goldschmiedekunst und waren zugleich religiöse Objekte, die den Verstorbenen auf seinem Weg ins Jenseits schützen sollten.

Aufbau und Motivik der Pektorale

Die Pektorale aus dem Grabschatz kombinieren Gold mit farbigem Glas, Karneol, Türkis und Fayence, die häufig Lapislazuli imitierten, sowie in selteneren Fällen mit echtem importiertem Lapislazuli. Ein wiederkehrendes Motiv ist der Skarabäus in Form des Sonnengottes Chepri, der die aufgehende Sonne über den Horizont schiebt – ein Sinnbild für Wiedergeburt und ewiges Leben. Andere Pektorale zeigen die Flügel der Göttin Nut, den Falken des Horus oder die Doppelkrone Ober- und Unterägyptens, oft eingebettet in eine symmetrische, heraldische Komposition.

Detailansicht eines weiteren Pektorals aus dem Grabschatz Tutanchamuns mit Skarabäenmotiv

Ein zweites Pektoral aus demselben Grabschatz: Auch hier bildet der Skarabäus den kompositorischen Mittelpunkt.

Die Cloisonné-Technik im Detail

Die charakteristische Einlegetechnik der Pektorale wird als Cloisonné bezeichnet, vom französischen Wort für „Zelle". Goldschmiede löteten feine Goldstege auf eine Trägerplatte, sodass zahlreiche kleine Kammern entstanden. In diese Kammern wurden anschließend präzise zugeschnittene Halbedelsteine oder farbiges Glas eingepasst und mit Harz oder Kitt fixiert. Diese Methode erforderte nicht nur handwerkliches Geschick beim Löten feinster Goldlinien, sondern auch die Fähigkeit, Steine auf wenige Zehntelmillimeter genau zu schleifen, damit die Farbflächen nahtlos ineinander übergingen.

Historischer Hinweis

Ein Teil der im Grabschatz verwendeten „Lapislazuli"-Flächen besteht tatsächlich aus gefärbtem Glas. Dies galt in der ägyptischen Goldschmiedekunst nicht als minderwertiger Ersatz, sondern als eigenständige, hochgeschätzte Handwerkskunst, da die Herstellung farbigen Glases selbst aufwendige Kenntnisse der Verhüttung erforderte.

Warum die Pektorale bis heute faszinieren

Die Pektorale Tutanchamuns gelten deshalb als so bedeutend, weil kaum ein anderer Fund die gesamte Bandbreite der ägyptischen Goldschmiedekunst auf einmal zeigt: Treibarbeit, Cloisonné, Granulation und Steinschliff treffen in einem einzigen Objekt aufeinander. Für die moderne Ägyptologie sind sie zugleich ein Datierungsanker, da Stil und Ikonografie helfen, ähnliche, weniger gut dokumentierte Funde zeitlich einzuordnen.