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Techniken & Werkzeuge

Granulation, Cloisonné und Treibarbeit im Neuen Reich

Veröffentlicht am 12. Juli 2026 · von Bernhard Lang · 8 Min. Lesezeit

Goldschmuckstück mit Granulationstechnik, Metropolitan Museum of Art

Die Goldschmiedewerkstätten des Neuen Reichs beherrschten ein Repertoire an Techniken, das in seiner Kombination bis heute Bewunderung auslöst. Drei Verfahren bildeten das technische Rückgrat: die Treibarbeit zur Formgebung, die Cloisonné-Technik zur farbigen Einlegearbeit und die Granulation zur feinen Oberflächenveredelung. Zusammen erlaubten sie Schmuckstücke, die sowohl skulptural als auch farbig äußerst differenziert wirkten.

Treibarbeit: Form aus dem Hammer

Bei der Treibarbeit, im Deutschen auch Repoussé genannt, hämmerten Goldschmiede dünnes Goldblech von der Rückseite in eine Form oder gegen eine Unterlage aus Pech oder Ton, sodass auf der Vorderseite ein reliefartiges Muster entstand. Anschließend wurde von vorne mit feinen Punzen nachgearbeitet, ein Vorgang, der als Ziselieren bezeichnet wird. Diese Technik eignete sich besonders für großflächige Objekte wie Sarkophagbeschläge, Diademe oder die äußere Hülle von Statuen.

Cloisonné: Farbe in Gold gefasst

Für kleinteiligere, farbige Kompositionen wie Pektorale griffen Goldschmiede zur Cloisonné-Technik. Feine, hochkant gestellte Goldstreifen wurden auf eine Trägerplatte gelötet und formten so ein Netz kleiner Zellen, in die anschließend präzise zugeschnittene Halbedelsteine oder Glaseinlagen eingesetzt wurden. Der Aufwand lag dabei weniger im Löten selbst als im exakten Zuschnitt der Einlagen, die mit minimaler Fugenbreite zwischen den Goldstegen sitzen mussten, um ein geschlossenes Farbbild zu ergeben.

Werkzeug und Werkstoff

Als Lötmittel diente eine Kupfersalzverbindung, die bei Erhitzung eine niedriger schmelzende Legierung an der Kontaktstelle erzeugte, ohne das umliegende Gold selbst aufzuschmelzen – ein Verfahren, das der modernen Hartlötung strukturell sehr nahekommt.

Granulation: Textur aus tausend Goldkugeln

Die anspruchsvollste der drei Techniken war zweifellos die Granulation: das Auflöten winziger, oft unter einem Millimeter kleiner Goldkügelchen auf eine Oberfläche, um Muster, Konturen oder samtartige Texturflächen zu erzeugen. Da handelsübliches Lot bei dieser Größenordnung die feinen Kügelchen sofort verschmolzen hätte, nutzten ägyptische Goldschmiede vermutlich ein kolloidales Lötverfahren auf Basis kupferhaltiger organischer Verbindungen, die erst bei präzise kontrollierter Erhitzung eine minimale Lötverbindung an den Berührungspunkten erzeugten.

Objekte wie das hier gezeigte Kästchenornament aus dem Metropolitan Museum zeigen, wie Granulation mit Filigranarbeit aus gedrehtem Golddraht kombiniert wurde, um dreidimensionale, fast textile Musterflächen zu erzeugen – eine Technik, die erst im 19. Jahrhundert durch moderne Materialforschung vollständig nachvollzogen werden konnte.

Drei Techniken, ein Handwerk

Für die ägyptologische Materialforschung ist entscheidend, dass diese drei Techniken selten isoliert auftraten. Hochwertige Schmuckstücke des Neuen Reichs kombinieren Treibarbeit für die Grundform, Cloisonné für farbige Akzente und Granulation für texturierte Details – ein Zusammenspiel, das ein tiefes, arbeitsteiliges Wissen innerhalb der Goldschmiedewerkstätten voraussetzt.