Skaltrixa
Skarabäen & Siegel

Der Skarabäus: Vom heiligen Käfer zum Schmuckstück

Veröffentlicht am 28. Juni 2026 · von Bernhard Lang · 6 Min. Lesezeit

Goldener Fingerring mit Skarabäus-Siegel, Metropolitan Museum of Art

Der Pillendreher, ein Mistkäfer aus der Familie der Blatthornkäfer, gehört zu den ungewöhnlichsten Vorbildern der Kunstgeschichte. Seine Gewohnheit, Dungkugeln über weite Strecken vor sich herzurollen, brachte die alten Ägypter auf eine kühne Analogie: So wie der Käfer seine Kugel bewegt, so schiebt der Sonnengott Chepri jeden Morgen die Sonnenscheibe über den östlichen Horizont. Aus dieser Beobachtung entstand eines der langlebigsten Motive der ägyptischen Kunst.

Vom Siegel zum Statussymbol

Skarabäen dienten zunächst als praktische Siegel: Auf der flachen Unterseite eingeschnitten trugen sie Namen, Titel oder Königskartuschen, die beim Abrollen in weichen Ton einen Abdruck hinterließen – ähnlich einem Siegelring. Bereits im Mittleren Reich entwickelte sich daraus ein eigenständiges Schmuckformat: in Gold gefasste Skarabäen, die als drehbare Ringplatten getragen wurden, sodass der Träger je nach Wunsch die geschnitzte Unterseite oder den glatten Käferrücken nach außen zeigen konnte.

Der Herzskarabäus im Totenkult

Eine besondere Rolle spielte der sogenannte Herzskarabäus, ein größeres, meist aus grünlichem Stein gefertigtes Amulett, das während der Mumifizierung über dem Herzen des Verstorbenen platziert wurde. Sein eingeschnittener Text zitiert häufig Spruch 30B des Totenbuchs – eine Beschwörung, die das Herz auffordert, beim Totengericht nicht gegen seinen Besitzer auszusagen. Da das Herz in der ägyptischen Vorstellung Sitz von Gewissen und Erinnerung war, kam dem Herzskarabäus eine existenzielle Bedeutung für den erfolgreichen Übergang ins Jenseits zu.

Materialvielfalt

Skarabäen wurden aus einer erstaunlichen Bandbreite an Materialien gefertigt: glasierter Steatit, Karneol, Amethyst, Fayence und – für die kostbarsten Exemplare – massives Gold mit Cloisonné-Einlagen. Diese Materialvielfalt erlaubte Schmuckstücke für nahezu jede gesellschaftliche Schicht.

Goldfassung und Handwerkstechnik

Bei in Gold gefassten Skarabäen wie dem hier gezeigten Ring aus dem Metropolitan Museum verband der Goldschmied zwei Techniken: die feine Steinschnitzerei der Käferform selbst und die Metallarbeit der drehbaren Fassung, die aus gebogenem Golddraht und kleinen Lötverbindungen bestand. Diese Kombination aus Steinschnitt und Goldschmiedekunst macht Skarabäenringe zu einem der aufschlussreichsten Belege dafür, wie eng religiöse Symbolik und handwerkliche Präzision im Alten Ägypten miteinander verflochten waren.