Skaltrixa
Meisterwerke des Mittleren Reichs

Das Pektoral der Sithathorjunet: ein Meisterwerk des Mittleren Reichs

Veröffentlicht am 5. Juli 2026 · von Bernhard Lang · 7 Min. Lesezeit

Pektoral und Halskette der Sithathorjunet mit dem Namen Sesostris' II., Metropolitan Museum of Art

1914 entdeckte der britische Archäologe Guy Brunton in der Nekropole von Lahun den weitgehend ungeplünderten Schmuckschatz der Prinzessin Sithathorjunet. Unter den Funden befand sich ein Pektoral, das seither als eines der technisch anspruchsvollsten Schmuckstücke des Mittleren Reichs gilt und heute zwischen dem Metropolitan Museum of Art in New York und dem Ägyptischen Museum in Kairo geteilt aufbewahrt wird.

Ein Pektoral mit königlicher Botschaft

Das Pektoral trägt den Thronnamen König Sesostris' II. und zeigt eine symmetrische Komposition aus zwei Falken des Horus, die die Kartusche des Königs flankieren, während darunter zwei Uräusschlangen und ein weiteres Falkenmotiv angeordnet sind. Diese Bildsprache war keine reine Dekoration: Als Schmuckstück einer königlichen Tochter demonstrierte das Pektoral zugleich die enge Verbindung des Königshauses zum Sonnengott und zur Schutzmacht der Krone.

Detailaufnahme der Cloisonné-Einlagen des Sithathorjunet-Pektorals

Die Detailaufnahme zeigt die feinen Goldstege der Cloisonné-Fassung sowie die präzise geschliffenen Steineinlagen.

Materialien von bemerkenswerter Qualität

Für die Einlagen verwendeten die Goldschmiede Karneol, Granat, grünen Feldspat und blaue Fayence beziehungsweise Lapislazuli-Imitate, die in ein feines Netz aus Goldstegen eingepasst wurden. Bemerkenswert ist die Präzision, mit der die einzelnen Segmente geschliffen sind: Die Übergänge zwischen den Farbflächen wirken nahezu fugenlos, was auf hochspezialisierte Werkstätten am Königshof schließen lässt, die ausschließlich für die Anfertigung von Schmuck für die königliche Familie zuständig waren.

Warum dieses Stück als Höhepunkt gilt

Ägyptologen ordnen die Schmuckstücke aus Lahun und dem verwandten Fund von Dahschur häufig als technischen Höhepunkt der Cloisonné-Kunst des Mittleren Reichs ein – noch vor den bekannteren, aber stilistisch weniger fein gearbeiteten Stücken des Neuen Reichs.

Bedeutung für die Goldschmiedegeschichte

Das Pektoral der Sithathorjunet markiert einen wichtigen Referenzpunkt für die gesamte Epoche: Es zeigt, dass die Cloisonné-Technik bereits Jahrhunderte vor Tutanchamun ein hohes technisches Niveau erreicht hatte. Für die moderne Materialforschung dient es zudem als Vergleichsobjekt, um Steinschliff, Lötverfahren und Legierungszusammensetzung verschiedener Epochen der ägyptischen Goldschmiedekunst gegeneinander abzugrenzen.